Egal, ob Sie ein ambitionierter Sportler oder ein aktiver Erwachsener sind, der sich von COVID-19 erholt, der Wunsch nach einer Rückkehr zum Training ist verständlich. Auch bei milden oder fehlenden Symptomen stellt sich die Frage, welche Aktivitäten während und nach der Infektion sicher sind.
Die Sportmedizinerin Dr. Marie Schaefer erläutert aktuelle Empfehlungen und Richtlinien für einen sicheren und schrittweisen Wiedereinstieg in die körperliche Aktivität nach einer COVID-19-Erkrankung.
Langzeitfolgen noch weitgehend unbekannt
Obwohl unser Wissen seit Beginn der Pandemie gewachsen ist, sind die langfristigen Auswirkungen von COVID-19 noch immer nicht vollständig erforscht. Das Virus kann Herz, Gehirn, Lunge und Nieren schädigen, wobei die individuelle Betroffenheit schwer vorherzusagen ist. Anhaltende Symptome wie Kurzatmigkeit, Muskelschmerzen, Ausdauerverlust und Erschöpfung können die Rückkehr zum gewohnten Leistungsniveau erschweren.
„COVID-19 kann jeden anders treffen“, betont Dr. Schaefer. „Auch junge Sportler können schwere Verläufe oder Langzeitschäden erleiden. Daher ist es wichtig, die Erkrankung ernst zu nehmen.“
Gerade bei aktiven Menschen ist es schwierig, die langfristigen Auswirkungen nach einer COVID-19-Erkrankung abzuschätzen. Einige können problemlos zu ihrem alten Trainingsplan zurückkehren, während andere Leistungseinbußen feststellen werden.
Für die meisten Sportler und aktive Menschen erfordert die Rückkehr zum Sport einen langsamen und geduldigen Prozess. Eine enge Zusammenarbeit mit einem Arzt ist ratsam, um die Fortschritte zu überwachen und Symptome richtig zu deuten.
Trainingseinschränkungen während Isolation und Quarantäne
Verhaltensregeln bei Kontakt mit COVID-19-Infizierten
Nach Kontakt mit einer infizierten Person ist eine Quarantäne erforderlich. Diese Maßnahme dient dazu, die Ausbreitung der Krankheit zu verhindern. Sportler können während der Quarantäne eingeschränkt trainieren, sollten aber auf Training im Fitnessstudio verzichten und stattdessen Übungen für zu Hause wählen. Bei Krankheitssymptomen ist das Training sofort zu beenden.
Verhaltensregeln bei COVID-19-Diagnose
Bei einer COVID-19-Diagnose ist eine Isolation erforderlich, um gesunde Menschen vor einer Ansteckung zu schützen. Während der Isolation sollte das Haus nur in Notfällen verlassen werden. Erkrankte sollten sich in einem separaten Raum aufhalten, und alle Haushaltsmitglieder sollten Masken tragen. Sportler in Isolation dürfen bis zum Ende der Isolation und der Freigabe durch einen Arzt nicht trainieren.
Zeitpläne für die Rückkehr zu Sport und Bewegung
Während der Erkrankung sollte auf körperliche Anstrengung verzichtet werden. Ruhe, Flüssigkeitszufuhr, ausgewogene Ernährung und die Befolgung ärztlicher Anweisungen sind prioritär. Der Zeitplan für die Wiederaufnahme des Trainings hängt vom Schweregrad der Erkrankung ab.
Unabhängig von den Symptomen sollten Sportler nach einem positiven COVID-19-Test mindestens 10 Tage pausieren. In dieser Zeit sind jegliche körperliche Aktivitäten zu vermeiden. Bei asymptomatischen Fällen beginnt die Isolation mit dem Datum des positiven Tests, bei symptomatischen Fällen mit dem Auftreten der ersten Symptome.
Nach der 10-tägigen Isolationsphase und dem Abklingen der Symptome kann ein schrittweiser Wiedereinstieg in die körperliche Aktivität erfolgen.
Bei mittelschweren oder schweren Verläufen (oder Krankenhausaufenthalt) ist vor Wiederaufnahme des Trainings eine ärztliche Untersuchung erforderlich. Zusätzliche Tests wie EKGs, Herzbildgebung oder Blutuntersuchungen können notwendig sein.
Myokarditis bei Sportlern
Myokarditis ist eine Entzündung des Herzmuskels, die durch Virusinfektionen wie COVID-19 ausgelöst werden kann. Sie kann zu Schwellungen des Herzmuskels führen, die sportliche Betätigung erschweren und in seltenen Fällen tödlich sein können.
„Myokarditis tritt häufiger bei mittelschweren oder schweren Verläufen auf, kann aber jeden betreffen“, so Dr. Schaefer.
Aufgrund des erhöhten Myokarditis-Risikos ist nach einer COVID-19-Infektion eine ärztliche Freigabe vor der Wiederaufnahme des Trainings erforderlich. Im Rahmen dieser Untersuchung wird festgestellt, ob zusätzliche Tests notwendig sind. Der Wiedereinstieg in den Sport sollte über eine Woche schrittweise erfolgen, um auf Anzeichen und Symptome dieser schwerwiegenden Komplikation zu achten.
Schrittweise Rückkehr zum Sport
Sportler (und alle aktiven Erwachsenen) sollten ein überwachtes, stufenweises Programm absolvieren, bevor sie wieder voll ins Training einsteigen. Dieser Prozess wird oft als „Return to Play“ (RTP) bezeichnet und umfasst sieben Stufen.
Beginnen Sie mit Stufe eins und gehen Sie erst dann zur nächsten Stufe über, wenn keine Symptome auftreten. Ideal ist die Betreuung durch einen Trainer oder Sporttherapeuten. Alternativ können auch Eltern oder Freunde die Fortschritte überwachen, um die Sicherheit zu gewährleisten. Achten Sie als aktiver Erwachsener auf Ihre Symptome oder bitten Sie Freunde oder Familie, Sie zu beobachten.
Bei Auftreten folgender Warnsymptome ist das Training sofort zu beenden:
- Brustschmerzen oder Herzrasen.
- Übelkeit.
- Kopfschmerzen.
- Überhöhte Herzfrequenz oder verlängerte Erholungszeit.
- Benommenheit oder Schwindel.
- Kurzatmigkeit oder Atembeschwerden.
- Übermäßige Müdigkeit.
- Schwellungen in den Extremitäten.
- Synkope (Bewusstlosigkeit).
- Tunnelblick oder Sehverlust.
Nach Abklingen der Symptome sollte 24 Stunden pausiert und mit der vorherigen Phase neu begonnen werden. Wenn sich alles gut anfühlt, kann man weiter voranschreiten. Bei Symptomen, die länger als 24-48 Stunden anhalten oder nach dem Training nicht verschwinden, sollte ein Arzt konsultiert werden.
Befolgen Sie diese sieben Phasen für eine sichere Rückkehr zum Sport:
Zurück zur Fitness
Die Rückkehr zu Sport und Bewegung nach COVID-19 kann ein langsamer Prozess sein.
Dr. Schaefer gibt zusätzliche Ratschläge:
- Hören Sie auf Ihren Körper. Bei Symptomen wie Brustschmerzen oder Herzrasen sofort aufhören und einen Arzt konsultieren. Bewegung ist wichtig, aber die Erkenntnisse über COVID-19 verändern sich ständig. Beobachten Sie sich genau und konsultieren Sie einen Arzt, wenn sich etwas anders anfühlt als normale Erschöpfung (siehe Warnsignale oben).
- Bewahren Sie Ruhe. Vermeiden Sie es, sich zu überanstrengen. Eine allmähliche Steigerung ist entscheidend. Beginnen Sie mit einem langsamen Spaziergang, steigern Sie die Intensität und Dauer allmählich über 1-2 Wochen, bevor Sie zu intensivem Training zurückkehren.
- Seien Sie geduldig. Auch wenn Sie vor der Infektion für einen Marathon trainiert haben, kann sich Ihr Körper verändert haben. Üben Sie keinen Druck auf einen Körper aus, der sich noch erholt.