Der ehemalige konservative Minister Lord Robathan hat die britische Regierung aufgefordert, den Menschen klarzumachen, dass sie weniger essen müssen, um Fettleibigkeit zu bekämpfen. Als Tory-Abgeordneter für South Leicestershire von 1992 bis 2010 plädiert er für mehr "individuelle Verantwortung", da aktuelle Strategien versagt hätten. Im Juli 2020 startete die Regierung eine umfassende Anti-Adipositas-Strategie, die Fettleibigkeit nicht nur als Gesundheits-, sondern als gesellschaftliches Problem einstuft. Sie betont, dass Abnehmen nicht allein individuelle Anstrengung erfordert, sondern bessere Zugänglichkeit zu gesunden Ernährungsoptionen und Beratung braucht.
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Vor dem House of Lords erklärte Lord Robathan: "Ich freue mich, dass die Regierung die enormen Risiken von Übergewicht anerkennt, besonders während Covid. Aber die Strategie funktioniert nicht wirklich." Er fragte: "Ist es nicht Zeit, zur alten Haltung zurückzukehren, als starkes Übergewicht gesellschaftlich inakzeptabel war und Eigenverantwortung gefordert wurde?"
Gesundheitsminister Lord Kamall warnte: "Bei jeder Strategie müssen wir unbeabsichtigte Folgen beachten." Er betonte, die Regierung wolle keine "zusätzlichen Probleme, Sorgen und Ängste für Menschen mit Essstörungen schaffen".
Die Auswirkungen von Gewichtsstigma auf die psychische Gesundheit
Laut offiziellen Berichten sind 28 % der Erwachsenen in England fettleibig – fast eine Verdopplung seit 1993 (von 15 %). Nach Covid berichtete Public Health England, dass über 40 % der Erwachsenen zugenommen haben. Die WHO ergänzt: 2016 waren weltweit über 1,9 Milliarden Erwachsene übergewichtig, davon mehr als 650 Millionen fettleibig. Insgesamt betraf Adipositas 13 % der Weltbevölkerung (11 % Männer, 15 % Frauen).
Fettleibigkeit birgt chronische Erkrankungen, doch das damit verbundene Stigma schadet der psychischen Gesundheit massiv. Betroffene stoßen auf Stereotype und Diskriminierung, was zu wachsenden Problemen führt. Lord Robathans Forderung, Fettleibigkeit als "sozial inakzeptabel" zu brandmarken, könnte trotz guter Absichten psychische Schäden verursachen.
Die Betonung der "persönlichen Verantwortung" kann umgekehrte Effekte haben
Gewichtsbezogene Kampagnen, die stark auf Eigenverantwortung setzen, können paradoxerweise Essstörungen, Heißhungerattacken oder Bewegungsvermeidung fördern. Studien zeigen, dass Stigmatisierung Selbstwert und Motivation zerstört, was zu weiterer Gewichtszunahme führt. Lord Kamall reflektierte dies und priorisiert den Schutz vulnerabler Gruppen.