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Sind pflanzliche Nahrungsergänzungsmittel zur Gewichtsabnahme sicher? Warnung einer Adipositas-Expertin

Bei der Suche nach effektiven Wegen zum Abnehmen locken unzählige pflanzliche Pillen und Tränke im Internet mit schnellen Erfolgen. Doch oft bergen sie mehr Risiken als Nutzen. Dr. Shweta Diwakar, Spezialistin für Adipositasmedizin, erklärt, wie diese Produkte wirken sollen – und warum ein ärztlich begleitetes Programm sicherer ist.

Wie sollen pflanzliche Produkte den Gewichtsverlust fördern?

Laut Dr. Diwakar fehlen hochwertige Studien, die die Wirkung pflanzlicher Nahrungsergänzungsmittel auf den Abnehmerfolg belegen.

Sie versprechen Effekte durch:

  • Hemmung der Nährstoffaufnahme.
  • Appetitregulierung.
  • Steigerung des Energieverbrauchs.
  • Beeinflussung des Fettstoffwechsels.
  • Reduktion der Kohlenhydratabsorption.

„Die meisten pflanzlichen Ergänzungsmittel weisen begrenzte oder gar keine konsistenten Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit bei langfristiger Gewichtsreduktion auf. Zudem besteht Potenzial für schädliche Wechselwirkungen mit verschreibungspflichtigen Medikamenten. Im Unterschied zu Arzneimitteln sind Nahrungsergänzungsmittel nicht zur Diagnose, Behandlung, Vorbeugung oder Heilung von Krankheiten zugelassen. Behauptungen wie ‚lindert Schmerzen‘ oder ‚behandelt Herzkrankheiten‘ sind daher unhaltbar und nur für streng geprüfte Medikamente zulässig“, betont Dr. Diwakar.

„Natürliche“ Inhaltsstoffe sind nicht automatisch sicher

Viele halten pflanzliche Mittel für harmlos, weil sie nicht synthetisch sind. Dr. Diwakar korrigiert: Natürliche Kräuter können gefährlich sein. Die steigende Nutzung von Kräuter- und Nahrungsergänzungsmitteln (HDS) geht parallel mit mehr HDS-bedingten Leberschäden.

„In den USA verursachen HDS etwa 20 % der Leberschäden. Häufige Auslöser sind anabole Steroide und Grüntee-Extrakt. Viele unsichere Abnehmprodukte sind online erhältlich – ein klares Risiko“, warnt die Expertin.

Verkäufer sind keine medizinischen Fachkräfte

Beim Kauf in Drogerien oder online fehlt Verkäufern oft Fachwissen über Wirkmechanismen, bekannte Probleme oder Interaktionen mit Medikamenten. Hersteller übertreiben oft die Vorteile. Aus diesen Gründen raten wir: Vermeiden Sie pflanzliche Abnehmpräparate oder besprechen Sie Alternativen mit Ihrem Arzt.

Falls Sie dennoch ausprobieren möchten, beachten Sie:

  • Keine Einnahme in Schwangerschaft, Stillzeit oder bei Kindern.
  • Kaufen Sie nur Produkte mit klarer Inhaltsstoffliste (keine Garantie für Vorteile!).
  • Vermeiden bei Dauermedikamenten (z. B. Blutdrucksenker, Antidepressiva). Konsultieren Sie einen Arzt.
  • Nicht bei schmalem therapeutischen Index wie Warfarin (Coumadin®), Digoxin, Phenytoin (Dilantin®), Lithium (Lithobid®, Eskalith®) oder Theophyllin (Theo-Dur®, Theo-24®). Ärztlichen Rat einholen.
  • Informieren Sie immer Ihren Arzt über pflanzliche Mittel.

Gängige pflanzliche Abnehmprodukte: Risiken und Fakten

Dr. Diwakar gibt Einblicke in beliebte Mittel und ihre begrenzte Evidenz.

Ephedrin: Häufig in Abnehmpräparaten, auch in Asthmamedizin und illegaler Drogenherstellung. Es dämpft den Appetit leicht, bewirkt aber keinen nachgewiesenen Gewichtsverlust. Risiken: Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, Schlafstörungen, Anfälle, Infarkt, Schlaganfall, Tod. Starke Interaktionen; in den USA verboten.

Johanniskraut: Traditionell bei psychischen Beschwerden eingesetzt, unwirksam gegen Depressionen (Placebo-Niveau). Kaum Studien zum Abnehmen. Vermeiden mit Tyramin-haltigen Lebensmitteln (reifer Käse, Wurst, Wein etc.) oder Antidepressiva wie Fluoxetin (Prozac®), Sertralin (Zoloft®), Paroxetin (Paxil®), Venlafaxin (Effexor®), Trazodon (Desyrel®), Mirtazapin (Remeron®), Nefazodon (Serzone®), Meperidin (Demerol®), Buspiron (Buspar®) oder Dextromethorphan. „Gesamtrisiko zu hoch für Abnehmzwecke.“

5-Hydroxytryptophan (5-HTP): Aus afrikanischen Samen; mit Blutkrankheiten assoziiert. Kein bewiesener Abnehmeffekt – meiden.

Chitosan: Aus Schalentierpanzer; bindet Fett. Minimaler Effekt nur mit Kalorienreduktion. Allergierisiko bei Schalentierallergikern.

Pyruvat: Aus Kohlenhydrat- und Proteinverdauung; in Äpfeln, Käse, Wein. Leichter Effekt möglich, weitere Forschung nötig. Scheint sicher.

Aloe: Als „Reinigungsmittel“ vermarktet; verursacht Durchfall. Kein dauerhafter Abnehmeffekt. Risiken: Krämpfe, Elektrolytungleichgewicht, Kaliummangel.

Cascara: Abführmittel; Elektrolytstörungen möglich. Nicht in Schwangerschaft/Stillzeit; Interaktionen mit Digoxin, Diuretika.

Löwenzahn: Diuretikum; Allergierisiko bei Ambrosia-/Gänseblümchen-Allergie.

Glucomannan: Aus Konjakwurzel; ballaststoffreich. Risiko von Verstopfungen, Blutzuckerschwankungen – bei Diabetes überwachen.

Guarana: Koffeinhaltiges Stimulans; Bluthochdruck, Interaktionen mit Warfarin. Nebenwirkungen: Übelkeit, Schwindel, Angst.

Yerba Mate: Starkes Stimulans (Koffein-Äquivalent); Überstimulation, Krebsrisiko bei Rauchen/Alkohol. Kein Abnehmeffekt; Vergiftungsfälle bekannt.

Guarkernmehl: Ballaststoff; Völlegefühl, aber Verstopfungsrisiko, Blutzuckerschwankungen. Bei Diabetes meiden.

Pflanzliche Diuretika: Oft koffeinhaltig; Nierenschäden (Wacholder), Neurotoxizität (Equisetum), Krämpfe (Schachtelhalm). Interaktionen mit Lithium, Digoxin, Furosemid. Zu wenig Wasserverlust für Abnehmen.

Abnehmprobleme? Holen Sie ärztlichen Rat ein

Viele Produkte versprechen schnelle Kilos, bergen aber Gesundheitsrisiken. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt – für ein sicheres, effektives Programm.