Es lockt, unterwegs eine Nachricht zu tippen oder einen Bissen zu essen, doch Gehen und Multitasking erhöhen das Verletzungsrisiko erheblich. Ähnlich wie SMS beim Autofahren in mehreren US-Bundesstaaten verboten ist – Studien belegen Beeinträchtigungen von Urteilsvermögen und Reaktionszeit –, raten aktuelle Forschungen dringend davon ab, SMS beim Gehen zu schreiben.
Eine Studie aus dem Jahr 2017 in PLOS One zeigt: SMS-Schreiben führt zu kürzeren Schritten, höherer Schritthöhe und einem Gangmuster, das dem unter Alkoholeinfluss ähnelt. Betroffene waren langsamer und wichen stärker vom Weg ab.
Conrad Earnest, PhD, Wissenschaftler im Übungs- und Sporternährungslabor der Texas A&M University und Autor einer vergleichbaren PLOS One-Studie, erklärt: „Berichte deuten darauf hin, dass solches Verhalten Fußgängerunfälle begünstigt, Stolperrisiken steigert und riskantes Überqueren von Straßen durch mangelnde Aufmerksamkeit fördert.“
In Honolulu drohen seit dem 25. Oktober Strafen für das Überqueren von Straßen oder Autobahnen, während man auf ein mobiles Gerät schaut. Bußgelder: 15–35 USD beim ersten Verstoß, bis zu 99 USD beim dritten.
Gehen und sprechen oder Kaugummi kauen

Nicht nur SMS sind problematisch: Auch Gehen und Telefonieren birgt Risiken.
Forscher der Ohio State University berichten: Zwischen 2005 und 2010 hat sich die Zahl der Notaufnahmen durch abgelenkte Fußgänger mit Mobiltelefon mehr als verdoppelt. Co-Autor Jack Nasar, PhD, emeritierter Professor, betont in einer Pressemitteilung: „Mobiltelefone beim Fahren erhalten berechtigte Aufmerksamkeit, doch die Gefahren für Fußgänger müssen ebenso priorisiert werden.“
An der Old Dominion University testeten Experten Kaugummikauen beim Gehen. Die unveröffentlichte Studie ergab schnellere Schritte. Leiter Steven Morrison, PhD, erklärt: Das Kombinieren zweier rhythmischer Aktivitäten wie Kauen, Tippen und Gehen stört den Gang. „Beim Kauen beschleunigen Sie, Ihr Gang passt sich dem Tempo an.“
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ALTERS- UND GESCHLECHTSUNTERSCHIEDE
Multitasking wirkt sich stärker auf Männer aus. Eine 2017 in Royal Society Open Science publizierte Studie zeigt: Männer waren bei kognitiven Tests beim Gehen stärker beeinträchtigt.
Earnest sieht Jugendliche besonders gefährdet durch riskantes Verhalten, ergänzt aber: „Ähnliche Risiken gelten für Berufstätige beim Pendeln.“
Forscher erkennen: Vollständiger Verzicht auf Multitasking ist unrealistisch. Earnest rät: „Wie bei gesunder Ernährung und Sport braucht es Achtsamkeit. Bei dringenden Nachrichten: Anhalten, beantworten, weitergehen – wie Donuts in Maßen.“