Fasten Sie aus religiösen Gründen oder als bewussten Lebensstilentscheidung? Viele fragen sich, welche Effekte das auf Herz und Blutdruck hat. Ist es gesund oder birgt es Risiken?
Als erfahrener Kardiologe und Endokrinologe sieht Dennis Bruemmer, MD, PhD, klare Vorteile im intermittierenden Fasten. Angesichts aktueller Erkenntnisse zu Übergewicht, Herzkrankheiten und Gewichtsreduktion erwartet er einen steigenden Trend. „Weniger essen ist grundsätzlich von Vorteil“, betont Dr. Bruemmer.
Unsere Evolution hat uns darauf vorbereitet, Energie in Zeiten der Knappheit zu speichern. Heute umgeben uns jedoch überall Kalorienbomben. Studien an Tieren und Menschen zeigen: Fasten zählt zu den wenigen Maßnahmen, die die Lebensdauer verlängern können.
Dr. Bruemmer beantwortet häufige Fragen zum Fasten und gibt praxisnahe Tipps.
Kann Fasten Ihr Herz stärken?
Forschungsergebnisse belegen: Fasten senkt Blutdruck, Cholesterin, verbessert die Diabeteskontrolle und fördert Gewichtsabnahme.
„Vier Haupt-Risikofaktoren für Herzkrankheiten sind Bluthochdruck, hohes Cholesterin, Diabetes und Übergewicht. Fasten wirkt hier positiv“, erklärt Dr. Bruemmer. „Indem wir diese senken, reduzieren wir das Herzrisiko erheblich.“
Achtung: Fasten kann Elektrolytstörungen verursachen, die Arrhythmien begünsten. Bei kalorienarmen Diäten oder modifiziertem Fasten empfehlen wir ärztliche Überwachung mit monatlichen Blutkontrollen und Kaliumsupplementen, wie Dr. Bruemmer es in seiner Praxis umsetzt.
Weitere Studien deuten auf krebsvorbeugende Effekte oder bessere Chemotherapie-Wirksamkeit hin. Die Forschung steckt jedoch noch in den Kinderschuhen: „Es gibt noch viel zu lernen“, sagt Dr. Bruemmer.
Ist Fasten ideal zum Abnehmen?
Trotz Vorteilen für Herz und Gewicht ist Fasten kein Top-Weg für langfristigen Abnehm-Erfolg, warnt Dr. Bruemmer. Es bringt schnelle Ergebnisse, hält aber die Form nicht. „Wir raten dazu nur bei Bedarf an rascher Gewichtsreduktion, z. B. vor Operationen.“
Wann sollten Sie nicht fasten?
Fasten ist nicht für jeden geeignet – sprechen Sie immer mit Ihrem Arzt.
Kontraindikationen umfassen:
- Schwangere und Stillende.
- Kinder und Jugendliche.
- Typ-1-Diabetiker.
- Menschen mit Essstörungen.
Auch bei anderen Erkrankungen kann es problematisch sein. Ihr Arzt bewertet das individuell, rät Dr. Bruemmer.
3 Tipps vor dem Fastenstart
1. Wählen Sie die passende Methode.
Optionen reichen von 8-Stunden-Fenstern über 24-Stunden-Fasten bis zu wächentlichen Kalorienreduktionen. Der „5:2-Plan“ sieht zwei Fastentage mit ca. 500 Kalorien (zwei Mahlzeiten) vor; an anderen Tagen gesunde, kalorienfreie Ernährung.
2. Planen Sie Ihre Mahlzeiten klug.
„Ernähren Sie sich vor und nach dem Fasten ausgewogen“, rät Dr. Bruemmer. Bei reduzierter Kalorienaufnahme achten Sie auf Qualität.
Empfohlene Lebensmittel vor dem Fasten:
- Obst und Gemüse (für Flüssigkeit).
- Mageres Protein wie Hähnchen oder Fisch.
- Fettarmer Joghurt.
Vermeiden Sie natriumreiche oder blähende Speisen wie Dosen супpen oder Pizza.
3. Brechen Sie das Fasten sanft.
Greifen Sie nicht sofort zu schweren Mahlzeiten. „Schocken Sie Ihren Körper nicht“, warnt Dr. Bruemmer.
Beginnen Sie mit Datteln oder Trockenfrüchten, dann Obst und leichte Kost.
„Egal ob religiös oder lifestylebedingt: Konsultieren Sie immer Ihren Arzt“, fasst Dr. Bruemmer zusammen.
Weitere Informationen
Zentrum für kardiometabolische Gesundheit