Das kennen wir alle: Ein harter Tag bei der Arbeit, mit den Kindern oder in der Schule hat uns geistig und körperlich erschöpft. Trotzdem mobilisieren wir uns, gehen ins Fitnessstudio und nach einem intensiven Indoor-Cycling-Kurs, einer Stunde Kickboxen oder einem anspruchsvollen Krafttraining fühlen wir uns erfrischt, verjüngt und regelrecht verwandelt.
Es gibt eine enge Verbindung zwischen Bewegung und Gehirn – aber wie entsteht diese dramatische Verbesserung von Stimmung, psychischer Gesundheit und sogar Gedächtnis?
Der Schlüssel liegt in der veränderten Biochemie des Gehirns, sobald Sie die Schuhe zuschnüren. Unser Gehirn besteht aus etwa 100 Milliarden Neuronen, die chemische Signale austauschen und uns die Welt interpretieren lassen. Diese Neurotransmitter bestimmen unser Gefühl, Denken und Verhalten. Unter den rund 100 Neurotransmittern spielen vor allem Endorphine und Serotonin eine Schlüsselrolle dafür, dass wir uns nach dem Training so euphorisch fühlen. Bewegung dient zudem als effektiver Stressabbau.
Bei Ausdaueraktivitäten – sei es ein Sprint-Triathlon, Joggen auf dem Laufband oder ein langer Spaziergang mit dem Hund – setzt das Gehirn Endorphine frei. Diese sind für das berühmte „Runner’s High“ verantwortlich, jenes wohlige Hochgefühl nach dem Training. Als körpereigene Schmerzmittel blocken Endorphine Unbehagen und erzeugen stattdessen pure Freude.
Serotonin, die „Glückshormone“, heben die Stimmung direkt an, ohne Umwege. Forschung verbindet Serotoninmangel mit Depressionen – weshalb viele Antidepressiva den Spiegel steigern. Doch es gibt eine natürliche Alternative: Regelmäßige Bewegung erhöht den Serotoninspiegel nachweislich, wie Studien im Journal of Psychiatry and Neuroscience zeigen.
Nicht nur Ausdauertraining wirkt antidepressiv: Auch Krafttraining – von Körpergewichtsübungen über Widerstandsbänder bis zu Freihanteln – verbessert die psychische Gesundheit und mindert Depressionsrisiken.
Höhere Endorphin- und Serotoninspiegel durch Sport heben die Laune. Daneben fördert das Protein BDNF (Brain-Derived Neurotrophic Factor) kognitive Funktionen wie Gedächtnis, Lernen und Stimmungsstabilität (Ratey, 2008). BDNF stärkt Neuronen, sichert ihre Signalübertragung und verhindert kognitive Einbußen. Und der beste Booster? Bewegung.
Dieses Wissen über die Gehirnprozesse beim Training ist mehr als Theorie: Es motiviert, an schwachen Tagen ins Studio zu gehen.
Referenz
Ratey, J.J. (2008) Spark: Die revolutionäre neue Wissenschaft der Bewegung und des Gehirns. Boston, Mass.: Little, Brown and Company.