Als erfahrener Kinderarzt bespreche ich täglich mit Eltern, ob ihr Kind altersgerecht wächst. Neben dem Body-Mass-Index (BMI) und einem gesunden Gewicht interessieren sich viele Familien für die Körpergröße: Wächst mein Kind normal? Wie groß wird es als Erwachsener? Ab etwa zwei Jahren können wir die Endgröße mit guter Genauigkeit vorhersagen.
Von zwei Jahren bis zur Pubertät folgt das Wachstum eines Kindes meist einer genetisch vorgegebenen Percentilkurve auf den Wachstumstabellen (siehe Kasten 1 und Kasten 2). Die jährliche Zunahme beträgt rund 6–7 cm, bis im frühen Jugendalter ein Wachstumsschub einsetzt. Hier erreichen Jugendliche eine maximale Wachstumsgeschwindigkeit von etwa 10 cm pro Jahr. Bei Mädchen startet dieser Schub mit 9–10 Jahren und kulminiert mit 11,5–12 Jahren – typischerweise 18 Monate vor der Menarche. Zur ersten Periode fehlen meist nur noch 3–5 cm zur Endgröße. Jungen erleben den Schub ab 11 Jahren, Höhepunkt bei 13,5 Jahren. Mädchen wachsen bis zur mittleren Pubertät, Jungen oft bis spät in die Adoleszenz nach. Das Wachstum endet mit dem Verschluss der Wachstumsfugen.
Neben der Percentilverfolgung auf Wachstumskurven lässt sich die Endgröße auch aus der elterlichen Größe schätzen. Für Mädchen: [Größe der Mutter (in cm) + (Größe des Vaters (in cm) – 13 cm)] / 2. Für Jungen: [Größe der Mutter (in cm) + (Größe des Vaters (in cm) + 13 cm)] / 2. Die meisten Kinder erreichen diese Prognose ± 10 %.
Umweltfaktoren bestimmen, ob ein Kind sein genetisches Potenzial ausschöpft. Moderate Bewegung fördert das Wachstum, extremes Training (über 18 Stunden/Woche mit Kalorienrestriktion) kann es bremsen – besonders bei Elite-Jugendsportlern. Auch geringe Gewichtszunahme vor dem Pubertätsschub oder frühe Pubertät durch Übergewicht erhöhen das Risiko einer geringeren Endgröße. Mehr dazu morgen in Was ist normales Wachstum? Teil 2.